Pressemitteilung

Massive Vertreibung und humanitäre Not in Nord- und Ostsyrien

 

Die aktuelle militärische Eskalation durch die Übergangsregierung in Nord- und Ostsyrien hat eine neue Welle massiver Vertreibung ausgelöst. Hunderttausende Menschen sind akut von Hunger, Kälte, fehlender medizinischer Versorgung und weiterer Gewalt bedroht. Die Stadt Kobane ist belagert und von der Versorgung abgeschnitten.

Seit Anfang Januar wurden mehr als 170.000 Menschen aus ihren Wohnorten vertrieben. Allein aus den Regionen Raqqa und Tabqa flohen über 18.000 Zivilist*innen innerhalb weniger Tage. Die meisten Vertriebenen fanden bislang keinen sicheren Zufluchtsort und leben unter prekären Bedingungen in provisorischen Unterkünften, bei Verwandten oder unter freiem Himmel.

Kobane: Belagerung und humanitäre Notlage

Besonders dramatisch ist die Situation in Kobane, wo rund 150.000 Menschen faktisch eingeschlossen sind. Die Stadt ist von militärischen Kräften umgeben, Fluchtwege sind blockiert. Die Strom- und Wasserversorgung ist weitgehend unterbrochen. Nahrungsmittel, Treibstoff und Medikamente sind knapp oder nicht mehr verfügbar. Humanitäre Organisationen haben nur eingeschränkten oder gar keinen Zugang zur Stadt. Kinder, ältere Menschen und chronisch Kranke sind der winterlichen Kälte und der mangelnden Versorgung besonders schutzlos ausgeliefert.

Vertreibung ohne Schutz und Perspektive

Die Vertreibungen erfolgen unter hohem Zeitdruck und häufig ohne die Möglichkeit, persönliche Gegenstände mitzunehmen. Viele Familien wurden mehrfach innerhalb weniger Jahre vertrieben. Schutzräume, Aufnahmelager und kommunale Einrichtungen sind bereits überfüllt.

In der Dschasira-Region bereiten sich Gemeinden auf weitere Fluchtbewegungen vor, obwohl es dort kaum noch Kapazitäten für zusätzliche Vertriebene gibt. Kirchliche Einrichtungen und lokale Initiativen, etwa in Qamishlo, versuchen notdürftig zu helfen, stoßen jedoch an ihre Grenzen.

Humanitäre Hilfe blockiert

Der Zugang humanitärer Akteur*innen ist in weiten Teilen Nord- und Ostsyriens stark eingeschränkt oder vollständig blockiert.  Auch die Versorgung von Gefängnissen und Haftzentren mit tausenden IS-Gefangenen ist nicht gewährleistet. Die Blockade von Versorgungswegen verschärft die humanitäre Krise zusätzlich und birgt erhebliche Sicherheitsrisiken.

Khaled Davrisch, Repräsentant der Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien in Deutschland, erklärt:

„Notwendig sind: Sofortiger und garantierter humanitärer Zugang zu allen betroffenen Regionen. Es braucht einen humanitären Korridor nach Kobane. Die Zivilbevölkerung muss geschützt werden und die Übergangsregierung muss ein Ende der Vertreibungen sicherstellen. Es braucht internationalen Schutz für die kurdischen Gebiete in Syrien.“