Abschlusskommuniqué der Konferenz für die Einheit der Bevölkerungsgruppen von Nord- und Ostsyrien
Die Konferenz der Bevölkerungsgruppen Nord- und Ostsyriens fand in einer sensiblen nationalen Phase und aus gemeinsamer Verantwortung für die Gegenwart und Zukunft des Landes statt. Wir, Vertreterinnen und Vertreter der verschiedenen Bevölkerungsgruppen der Region, darunter Kurden, Araber, assyrischer Christen, Turkmenen, Armenier, Tscherkessen und andere, kamen zusammen, um unser gemeinsames Engagement für einen demokratischen und integrativen nationalen Weg auf der Grundlage von Vielfalt, Partnerschaft und gleichberechtigter Bürgerschaft zum Ausdruck zu bringen.
Die Geschichte der Bevölkerungsgruppen in Nord- und Ostsyrien ist lang und ihr kultureller Reichtum ist groß. Über viele Jahrzehnte waren wir Marginalisierung und Ausgrenzung durch die aufeinander folgenden Zentralregierungen ausgesetzt. Dies gilt insbesondere für die Zeit des Assad-Regime, das eine systematische Politik zur Unterdrückung von Identitäten, zur Schwächung der sozialen und wirtschaftlichen Strukturen in der Region Nord- und Ostsyrien, zur Durchsetzung von Projekten des demografischen Wandels und zur Vorenthaltung der Grundrechte auf Partizipation und gerechte Entwicklung verfolgte.
Die Übergriffe, die aktuell jeden Tag in Syrien geschehen, insbesondere das, was gegen Syrerinnen und Syrer an der Küste, in Suweida und gegen die Christen geschah, ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ein Verbrechen an ganz Syrien. Es braucht eine unparteiische Untersuchung, die transparent und neutral arbeitet, um die Täter zu identifizieren, wer auch immer sie sind.
Die nationale, religiöse und kulturelle Vielfalt in Nord- und Ostsyrien ist eine Quelle der Stärke. Es ist notwendig, diese Vielfalt in den politischen und administrativen Strukturen zu konsolidieren und die Vertretung aller Bevölkerungsgruppen in einer Weise sicherzustellen, die die Einheit der Gesellschaft stärkt. Das Modell der Selbstverwaltung ist eine Erfahrung der Partizipation, die weiterentwickelt und verbessert werden kann. Es stellt ein lebendiges Beispiel für eine demokratische und gemeinschaftliche Verwaltung dar.
Wir drücken unsere hohe Wertschätzung für die Opfer aus, die die Syrisch-Demokratischen Kräfte (SDF) zur Verteidigung der Region und der Würde ihrer Bevölkerung gebracht haben. Die SDF sind der Kern für den Aufbau einer neuen syrischen nationalen Armee, die professionell und freiwillig ist, die Realität der syrischen Gesellschaft repräsentiert und die Grenzen und die territoriale Integrität des Landes schützt.
Im Glauben an die Einheit und Souveränität Syriens sind wir der Meinung, dass eine nachhaltige Lösung nur über eine demokratische Verfassung möglich ist, die die nationale, kulturelle und religiöse Vielfalt würdigt und fördert und einen dezentralisierten Staat schafft, der eine echte Beteiligung aller Bevölkerungsgruppen am politischen Prozess im Einklang mit Glaubensfreiheit, sozialer Gerechtigkeit und guter Regierungsführung gewährleistet.
In diesem Zusammenhang sind wir der Ansicht, dass die derzeitige Übergangsverfassung nicht den Bestrebungen des syrischen Volkes nach Freiheit und Menschenwürde entspricht. Sie muss überarbeitet werden, um eine breitere Beteiligung und eine gerechte Vertretung in der Übergangsphase zu gewährleisten.
Wir betonen, dass eine innersyrische Versöhnung nur erreicht werden kann, wenn ein wirksamer Prozess der Übergangsjustiz eingeleitet wird, der auf Wahrheitsfindung, Rechenschaftspflicht, Wiedergutmachung ohne Diskriminierung und der Gewährleistung der Nichtwiederholung beruht. So kann ein Umfeld entstehen, das die sichere, würdige und freiwillige Rückkehr von Vertriebenen und die Ablehnung jeglicher Form des demografischen Wandels fördert.
Wir betonen auch die Bedeutung echter Beteiligung von Frauen, Jugendlichen und der Zivilgesellschaft beim Wiederaufbau des Landes und der Festigung der Werte des zivilen Friedens, des Dialogs und der Ablehnung von Hass, um eine echte Teilhabe an der Verwaltung von Staat und Gesellschaft zu fördern.
Vor diesem Hintergrund betonen wir, wie wichtig es ist, die derzeitige Verwaltungseinteilung zu überdenken, damit sie den demografischen und entwicklungspolitischen Gegebenheiten in Syrien entspricht und die geografischen, historischen und kulturellen Besonderheiten der lokalen Gemeinschaften widerspiegelt.
Wir haben das Grundlagenabkommen vom 10. März und die Ergebnisse des Kurdischen Einheitskongresses erörtert und begreifen sie als konstruktive Schritte auf dem Weg zu einem umfassenden nationalen Konsens, der das Vertrauen der Syrerinnen und Syrer in ihr Heimatland und ihre gemeinsame Zukunft wiederherstellt.
Um ein inklusives nationales Projekt zu schaffen, das Syrien aus seiner derzeitigen Krise herausführt, rufen wir zu einer inklusiven und umfassenden syrischen Nationalkonferenz auf, an der verschiedene nationale und demokratische Akteure teilnehmen, um zum Aufbau einer wahren nationalen Identität beizutragen, die alle Syrerinnen und Syrer einschließt.
In freiem Willen, in gemeinsamem Bewusstsein und in Entschlossenheit, ein freies, geeintes, demokratisches, pluralistisches, dezentralisiertes und rechtmäßiges Syrien aufzubauen, in dem die Menschenwürde gewahrt wird und in dem alle frei und gleich leben.
Konferenz für die Einheit der Bevölkerungsgruppen von Nord- und Ostsyrien,
09. August 2025
