Pressemitteilung
Kobane seit drei Wochen belagert
Seit mehr als drei Wochen ist die nordsyrische Stadt Kobane einer umfassenden Belagerung ausgesetzt. Über 500.000 Menschen, darunter viele Binnenvertriebene aus anderen Teilen Syriens, sind von der systematischen Unterbrechung der Strom- und Wasserversorgung sowie von massiven Einschränkungen bei Lebensmitteln, Treibstoff und medizinischer Hilfe betroffen. Mit jedem weiteren Tag verschärft sich die Lage. Besonders Kinder, ältere Menschen und Kranke sind durch die anhaltende Abriegelung akut gefährdet.
„Seit über drei Wochen wird Kobane gezielt von lebensnotwendiger Versorgung abgeschnitten. Diese Belagerung trifft nicht militärische Ziele, sondern die gesamte Zivilbevölkerung“, erklärt Khaled Davrisch, Repräsentant von Nord- und Ostsyrien in Deutschland. „Was hier geschieht, ist eine bewusste humanitäre Erstickung einer Stadt.“
Kobane, eine mehrheitlich kurdische Region mit gegenwärtig rund 600.000 Einwohner:innen, besteht aus 360 Dörfern, fünf Gemeinden und zwei Großbezirken. Seit Beginn der Angriffe sind zehntausende Menschen aus den ländlichen Gebieten ins Stadtzentrum geflohen, ebenso wie Vertriebene aus den überfüllten Camps von Raqqa, Tabqa und Girê Spî. Die zivile Infrastruktur ist praktisch zum Erliegen gekommen. Die Stromversorgung wurde am 18. Januar gezielt unterbrochen: Die Leitung über Sirîn, die den Tişrîn-Staudamm mit Kobane verbindet, wurde von Truppen der Übergangsregierung gekappt. Mit dem Strom fiel auch die Wasserversorgung aus. Die sechs Krankenhäuser der Stadt – vier öffentliche, zwei private – arbeiten im 24-Stunden-Betrieb. Doch sie sind überfüllt, die medizinische Versorgung steht vor dem Zusammenbruch.
Ehmed Mehmud vom Gesundheitskomitee der Stadt erklärt: „Unsere Dieselvorräte für Generatoren und Krankenwagen reichen nur noch für zehn Tage. Hunderte Patienten suchen täglich Hilfe, viele müssen wir abweisen. Medikamente gegen Atemwegserkrankungen, Anästhetika, Mittel für Diabetes- und Bluthochdruckpatient:innen sowie Sauerstoff sind vollständig aufgebraucht.“
Die Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien fordert die zuständigen Behörden in Damaskus auf, unverzüglich alle Übergänge zu öffnen und die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Gleichzeitig richtet sie einen dringenden Appell an die Internationale Anti-IS-Koalition, die Vereinten Nationen und internationale Hilfsorganisationen, sofort zu intervenieren und humanitäre Korridore nach Kobane zu ermöglichen.
