Erklärung zum Jahrestag des Regime-Sturzes
Anlässlich des ersten Jahrestags des Sturzes des Baath-Regimes in Syrien erinnert die Demokratische Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien an die jahrzehntelangen Praktiken dieses Regimes. Seine Herrschaft war von Marginalisierung, Tyrannei und Unterdrückung des freien Willens des syrischen Volkes geprägt. Darunter litten insbesondere die Syrerinnen und Syrer, die Demokratie, Wandel und die Errichtung eines pluralen Landes forderten, das den Opfern seines Volkes würdig ist.
Die Jahre des Krieges in Syrien sind ein deutliches Beispiel für die Mentalität, mit der das Regime regierte. Es ging mit brutalsten Methoden gegen die Bestrebungen der Syrerinnen und Syrer nach Freiheit und Würde vor. Verhaftungen, Verschleppungen, ethnische und religiöse Diskriminierung, gesellschaftliche Spaltung und die Plünderung der Ressourcen des Landes waren die Kennzeichen dieser Zeit.
An diesem historischen Tag spricht die Demokratische Selbstverwaltung den Familien der Gefallenen, die ihr Leben für die Freiheit Syriens und die Würde seines Volkes gegeben haben, sowie den syrischen Bürgerinnen und Bürgern aller Bevölkerungsgruppen und Glaubensrichtungen ihre herzlichsten Glückwünsche aus. Der Sturz des Baath-Regimes war für uns alle ein lang ersehnter Traum, und mit seiner Verwirklichung ist dieser Tag zu einem Symbol für den Sieg des Volkswillens geworden, zu einem Massenfest, das die gerechten Hoffnungen auf eine bessere Zukunft zum Ausdruck bringt.
Der Abgang dieses tyrannischen Regimes war ein wichtiger Schritt zur Erfüllung eines Teils der Hoffnungen des syrischen Volkes. Der wichtigste und längste Weg liegt jedoch noch vor uns: Die ernsthafte Arbeit am Aufbau eines demokratischen, freien und dezentralisierten Syriens, in dem Rechte geschützt, Unterschiede respektiert und Tyrannei, Ungerechtigkeit und Marginalisierung beendet sind. Diese historische Phase ist die gefährlichste und sensibelste in der Geschichte des modernen Syriens und erfordert nationales Bewusstsein, eine einheitliche Vision und kollektives Handeln.
In diesem Zusammenhang ist die Demokratische Selbstverwaltung der Ansicht, dass die Schritte, die die Übergangsregierung in Syrien im vergangenen Jahr unternommen hat, angefangen mit dem nationalen Dialog, an dem nicht Vertreter aus ganz Syrien und allen Teilen des Landes teilnahmen, über die Bildung der Regierung bis hin zu den jüngsten Parlamentswahlen, weder die wesentlichen Forderungen des syrischen Volkes noch dessen Realität oder Bestrebungen widerspiegelten. Dies gilt insbesondere für die Massaker in den Küstengebieten und in Suweida. Sie haben das Prinzip der nationalen Einheit untergraben und zu einer gefährlichen Spaltung der Gesellschaft geführt, die Hassreden, Aufwiegelung und Extremismus begünstigt. Diese Handlungen ähneln eher den Praktiken des Baath-Regimes selbst in den letzten fünf Jahren, durch den Ausschluss nationaler Kräfte, mangelnde Transparenz, der Monopolisierung von Entscheidungen, die den des Willen des Volkes ignorieren.
Abschließend bekräftigt die Demokratische Selbstverwaltung Nord- und Ostsyriens, dass die derzeitige Phase von allen syrischen Akteuren und der internationalen Gemeinschaft verlangt, ihre Bemühungen zu intensivieren und solidarisch zusammenzuarbeiten. Dann kann Syrien zu einer echten Plattform für Freiheit, Demokratie, Gerechtigkeit und Gleichheit werden. Deshalb fordern wir die Übergangsregierung auf, eine umfassende und partizipative nationale Politik zu verfolgen, die eine neue Heimat schafft für ausnahmslose alle Syrerinnen und Syrer. Dies kann durch die Einleitung eines umfassenden und ernsthaften nationalen Dialogs zwischen allen syrischen Vertretern, die Gewährleistung der sicheren Rückkehr von Vertriebenen sowie die Aktivierung schneller Mechanismen zur Erreichung der Ziele des syrischen Volkes in allen Bereichen erreicht werden.
Ehre und Ewigkeit den Gefallenen.
Freiheit und Demokratie für das syrische Volk in all seinen Bevölkerungsgruppen.
Demokratische Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien,
07.12.2025
