Erklärung zur Situation der Binnenvertriebenen
Ein Jahr ist vergangen, seit Menschen aus Afrin und Shahba gewaltsam vertrieben wurden. Hunderttausende mussten am 2. Dezember 2024 ihre Heimat verlassen und in die Regionen Nord- und Ostsyriens fliehen.
Seit der Besetzung von Afrin und Shahba im Jahr 2018 erleben die Menschen systematische Angriffe und Verletzungen. Bewaffnete Milizen üben Übergriffe, Vertreibungen und Enteignungen aus. Diese Handlungen verletzen grundlegende Menschenrechte und internationale Konventionen. Die Situation hält bis heute an. Die Übergangsregierung von Syrien kann oder will diese Milizen nicht zügeln. Das Leiden unserer Bevölkerung bleibt eine offene Wunde.
Trotz der Veränderungen in Syrien nach dem Fall des Assad-Regimes dürfen die Menschen aus Afrin, Shahba, Serekaniye, Tel Abyad und anderen Regionen nicht sicher in ihre Heimat zurückkehren. Diese Tatsache erfordert ein dringendes Handeln von nationalen und internationalen Akteuren. Wir müssen das Rückkehrrecht garantieren, Menschrechtsverstöße stoppen und ein würdiges Leben für alle Syrerinnen und Syrer ermöglichen.
Die Demokratische Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien stellt das Thema der Vertriebenen in den Mittelpunkt. Es wird in Gesprächen mit Politikern, der Zivilgesellschaft und internationalen Partnern angesprochen. Denn dieser Punkt ist entscheidend für Frieden und Stabilität in Syrien. Eine sichere Rückkehr, das Ende der Besatzung und der Stopp der Verstöße sind notwendig, um das Vertrauen der syrischen Bevölkerung wiederherzustellen. Wir rufen auch die internationale Gemeinschaft auf, Bedingungen für die sichere Rückkehr der Vertriebenen zu schaffen.
Wir sehen derzeit eine Zunahme von Hassreden, Aufwiegelungen und Gewaltaufrufen. Diese werden durch Medien und politische Rhetorik in Damaskus verstärkt. Solche Handlungen schüren Hass und Zwietracht und behindern den Aufbau eines neuen Syriens, das auf Demokratie und Gerechtigkeit basiert. Wenn diese Entwicklung so weitergeht, werden die Feinde des Friedens das für ihre Ziele nutzen. Die Übergangsregierung in Damaskus muss sich klar gegen diese Aufhetzung und Hassreden positionieren und Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen.
Abschließend betonen wir, dass die Ziele der syrischen Revolution ohne die sichere Rückkehr der Vertriebenen nicht erreicht werden können. Wir brauchen einen echten syrisch-syrischen Dialog, ohne Ausgrenzung und Marginalisierung. Nur so können wir ein dezentrales, demokratisches Syrien schaffen, das die Rechte aller Menschen garantiert.
Ehre der Widerstandskraft unserer Bevölkerung. Freiheit und Würde für alle Syrerinnen und Syrer.
Demokratische Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien,
01.12.2025
